Sprache schafft Wirklichkeit. Das zeigt sich aktuell besonders in der Migrationsdebatte. Statt sachlicher Auseinandersetzung erleben wir oft Panikmache, Pauschalisierungen und emotionale Verzerrungen. Zeit für Fakten und eine Debatte mit Augenmaß.
Arbeiten Geflüchtete überhaupt?
Die Erwerbstätigenquote liegt bei 70%. Jedes vierte Unternehmen in Deutschland beschäftigt Geflüchtete. Allein in Oberhaching arbeiten Geflüchtete in Hotel, Gastronomie, Pflegeheimen oder Handwerksbetrieben (u.a. Feno, Walleitner, Pachmayr, Hachinger Hof, Seniorenresidenz, St. Rita, Friseur bellissima) – oft in Bereichen mit akutem Personalmangel. Ein Beispiel: Ahmed, ein gelernter Koch aus Syrien, arbeitet seit vier Jahren in einer Großküche. Sein Tag beginnt um 4 Uhr morgens – kaum jemand nimmt das wahr, aber ohne ihn gäbe es kein warmes Mittagessen in vielen Betrieben.
Exemplarisch kann hier Oberhaching genannt werden. Fast alle Geflüchteten, die seit 2014 zugezogen sind, arbeiten hier oder in der Umgebung. In Oberhaching haben u.a. Feno, Walleitner, Pachmayr, Hachinger Hof, Seniorenresidenz, St. Rita, Friseur belissima Geflüchtete als Mitarbeitende. Getränke werden ausgeliefert, Mittagessen gekocht, Senioren gepflegt und betreut, Haare geschnitten
Ist Migration unser größtes Problem?
Migration wird oft als Ursache aller gesellschaftlichen Herausforderungen dargestellt. Wohnungsmangel, Fachkräftebedarf in Bildung und Pflege, lange Wartezeiten auf Therapieplätze – diese Probleme gab es schon vorher. Migration ist ein Brennglas für strukturelle Defizite. Die Frage ist also nicht, ob Migration unsere Gesellschaft belastet, sondern wie wir unser System so gestalten, dass es für alle gut funktioniert.
Wen betrifft die Debatte?
Nicht nur junge, männliche Geflüchtete! Rund 35 % sind Kinder und Jugendliche. Auch Fachkräfte und Studierende mit Migrationsgeschichte sind Teil unserer Gesellschaft. Wer Migration einseitig negativ darstellt, verunsichert nicht nur Schutzsuchende, sondern auch dringend benötigte Arbeitskräfte. Wie fühlt sich ein junger Mensch, der hier aufwächst, Deutsch spricht, zur Schule geht – und dennoch als „fremd“ abgestempelt wird?
Was ist mit der Sicherheit?
Deutschland war faktisch nie so sicher wie heute. Die Zahl der Tötungsdelikte ist niedriger als in den frühen 2000er Jahren. Dennoch wächst die Diskrepanz zwischen gefühlter und realer Bedrohung – auch aufgrund der schrecklichen Vorfälle in jüngster Zeit. Tatsächlich ist das Risiko, Opfer von häuslicher Gewalt zu werden jedoch, weitaus höher als das Risiko eines Gewaltverbrechens. 2023 wurden 256.276 Menschen Opfer häuslicher Gewalt, davon 70 % Frauen. Auch rechte Straftaten sind auf einem auf Höchststand und um 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Das sind 41.406 von Behörden registrierte rechtsmotivierte Straftaten in 2024. Diese Zahlen sollten uns alarmieren – und trotzdem werden sie oft übersehen.
Was bedeutet das für Kinder?
Ein Klima der Ausgrenzung beraubt junge Menschen ihres Gefühls der Zugehörigkeit. Wussten Sie, dass 7 von 10 Kindern mit Migrationsgeschichte Alltagsrassismus erfahren? Wer sich nicht willkommen fühlt, verliert Motivation und Zukunftsperspektiven. Wie fühlt sich ein Kind, das auf dem Schulhof gesagt bekommt, es solle „zurück in seine Heimat gehen“ – obwohl es hier geboren wurde? Statt Kinder und Jugendliche zu ignorieren, sollten wir ihre Potenziale fördern und sie als Teil unserer Gesellschaft und unserer Zukunft anerkennen.
Was bedeutet Merz 5-Punkte-Plan?
Dauerhafte Grenzkontrollen und Zurückweisungen widersprechen nicht nur humanitären Werten, sondern auch internationalem Recht. Abschiebehaft würde auch Minderjährige betreffen – wir würden Kinder inhaftieren. Das ist mit Menschenwürde und Kindswohl nicht vereinbar. Wollen wir eine Gesellschaft, in der Kinder hinter Gittern landen, weil sie mit ihren Eltern Schutz vor Bedrohung suchen?
Welche Fortschritte gab es?
Das Chancen-Aufenthaltsrecht ermöglichte 50.000 Menschen, sich durch Arbeit eine gesicherte Existenz aufzubauen. Zuvor mussten Geflüchtete oft jahrelang ohne Arbeitserlaubnis ausharren. Differenzierung ist hier entscheidend: Geflüchtete sind keine homogene Masse, sondern individuelle Menschen mit unterschiedlichen Biografien und Potenzialen. Noch eine gute Nachricht: Seit 2005 haben 2,4 Millionen Menschen an Integrationskursen teilgenommen.
Vielfältiger Nutzen der Migration
Migration bringt nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen – wirtschaftlich, kulturell und menschlich. Viele Branchen sind bereits stark auf Migrantinnen und Migranten angewiesen. In der Pflege, in Handwerksberufen oder der Logistik wären viele Dienstleistungen kaum noch aufrechtzuerhalten. Studien zeigen, dass Migranten oft als Unternehmer aktiv sind und Arbeitsplätze schaffen. Integration bedeutet also nicht nur soziale Verantwortung, sondern auch wirtschaftliche Stabilität, kulturellen Austausch und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Sieben Millionen Arbeitskräfte werden mit dem Renteneintritt der Babyboomer fehlen. Es wird geschätzt, dass Deutschland einen Zuzug von 500.000-800.000 Menschen jährlich braucht. „Der gesamte Migrationsdiskurs ist nicht auf der Höhe der Realität“, so die SZ.
Was brauchen wir?
– Mehr Ressourcen für Kommunen, Schulen, Beratungsstellen, Polizei und Ausländerbehörde.
– Mehr Fachkräfte für Sprachförderung, Integration und Anti-Diskriminierung.
– Ebenso sind Lehrende und Erziehende wichtige Integrationsfiguren und brauchen mehr Ressourcen.
– Mehr sachliche und differenzierte Berichterstattung und Aufklärung statt Angst und Polarisierung.
Das große Thema unserer Zeit ist nicht, ob Geflüchtete arbeiten. Sondern: Wie gestalten wir Integration und unser Zusammenleben, dass es für alle gut ist – vor allem für unsere Kinder, egal welcher Herkunft.
Ja, Migration stellt Herausforderungen. Aber wir lösen sie nur mit Fakten, nicht mit Angst. Fragen Sie Migrationsforscher, Soziologen oder am besten: die betroffenen Menschen selbst.
Es ist Zeit für Lösungen, nicht für Unfrieden. Zeit für Mitmenschlichkeit, Solidarität und Zusammenhalt. Wählen Sie am 23. Februar Vielfalt und Menschlichkeit!
„Drei Dinge sind im Leben eines Menschen wichtig. Erstens: Menschlichkeit. Zweitens: Menschlichkeit. Drittens: Menschlichkeit.“*
Henry James
Weitere Informationen:
– Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung
https://www.dezim-institut.de
– Mediendienst Integration
https://mediendienst-integration.de
– Demografie von Asylsuchenden
-Für Firmen, die Unterstützung bei der Einstellung von Geflüchteten benötigen: www.socialbee.de
– Refugio München – Therapie und Hilfe für geflüchtete Kinder & Erwachsene https://www.refugio-muenchen.de
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